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Eiweissversorgung - BSE

Frage
Überall höre ich, Garnelen seien als Eiweißträger für die Huhnies empfehlenswert. Unser Raiffeisenmarkt bietet keine Garnelen mehr an, da "über Garnelen BSE in die Nahrungskette" käme. Kann ich statt Garnelen Soja-Schrot verwenden? Weiß jemand darüber Näheres?

Brigitta
Eiweißversorgung ist wirklich ein Problem - ich versuche jetzt mal einen "Rundumschlag" dazu....

Also zunächst zu BSE und warum Du keine Garnelen bekommst:
Das "BSE-Gesetz" (Gesetz über das Verbot des Verfütterns, des innergemeinschaftlichen Verbringens und der Ausfuhr bestimmter Futtermittel Vom 1. Dezember 2000) sieht vor:
Das Verfüttern proteinhaltiger Erzeugnisse und von Fetten aus Gewebe  warmblütiger Landtiere und von Fischen sowie von Mischfuttermitteln, die diese Einzelfuttermittel enthalten, an Nutztiere im Sinne des § 2b Abs. 1 Nr. 7 des Futtermittelgesetzes, ausgenommen solche, die nicht zur Gewinnung von Lebensmitteln bestimmt sind, ist verboten. Das Verbot gilt nicht für
1. Milch und Milcherzeugnisse,
2. proteinhaltige Erzeugnisse und Fette aus Gewebe von Fischen, die zur Verfütterung an Fische bestimmt sind. (...)

Das bedeutet: KEIN tierisches Eiweiß mehr für Nutztiere.
(inzwischen soll Fischmehl wieder erlaubt sein, aber dazu habe ich nichts greifbares gefunden, ob Garnelen zu "Fischen" im weiteren Sinne gehören, steht nicht dabei, und dementsprechend verhalten sich anscheinend auch die Mischfutterhersteller - in unserem Hühnerfutter von der Genossenschaft sind welche drin, aber als Einzelfuttermittel sind sie auch nicht zu bekommen) Alle Tiere brauchen Eiweiß - nur unterscheiden sich zwei große Gruppen in ihrer Physiologie:

Für "Wiederkäuer" ist das zuführen von tierischem Einweiß über das Futter nicht notwendig - sie haben im Vormagensystem die Möglichkeit, "eigenes tierisches Eiweiß" (mit Bakterien) aufzubauen. Und hierfür war das Gesetz ja auch gedacht.
Für "Allesfresser" , (Menschen, Schweine) und also auch unsere Hühner gilt aber nach wie vor: wer keinen Pansen hat, bei dem muß eine bestimmte Menge tierisches Eiweiß im Futter vorhanden sein.

Warum? "Eiweiss" ist nicht = "Eiweiss", sondern besteht aus vielen verschiedenen Aminösäuren, von denen einige nur in Pflanzen, andere nur in Tieren vorkommen. (Veganer mögen mich jetzt erschlagen, ich hab das mal so gelernt und kanns auch nachvollziehen...aber das führte hier zu weit, vielleicht reicht ein: "natürliche" Hühner sind keine Veganer auch aus?) Offizielle Ersatzstoffe sind überwiegend Soja, Erbsen, Bohnen, Mich und Milcherzeugnisse.

Ich versuche mal in Kürze, das Für- und Wider aufzulisten. Milch- und Milcherzeugisse (da isses, Dein "Weichfutter :)): enthalten tierische Eiweiße in guter Qualität, sind aber a) nicht billig und b) auch kein besonders "natürliches" Futter für nicht-melkende Hühner. Aber eben Qualitativ hochwertig und erlaubt. (Quark-Pellets wären echt klasse, erfindet die mal jemand?)

Soja: das pflanzliche Eiweißfuttermittel mit dem besten "Preis-Leistungs"-Verhältnis - man bekommt "viel" Eiweiß für wenig Geld.

Soja ist immer Import, und auf dem Weltmarkt zu offiziell ca 80% gentechnisch verändert. "Verändert" bedeutet bei Soja: die Pflanzen sind gegen bestimmte Spritzmittel resistent, d.h. sie nehmen die verwendeten Mittel ebenso auf, wie alle anderen Pflanzen, sterben aber nicht daran ab.
Das verwendete Mittel verbleibt in der Pflanze und Leute streiten sich drum, ob es gesund ist oder nicht. Erbsen, Bohnen: die einheimischen Futterpflanzen mit dem höchsten Eiweißgehalt, ebensogute bis bessere Qualität wie Soja, aber teurer (leider). Werden nicht nur "ökologisch" angebaut, sondern auch konventionell, wobei die vorhandenen Gesetze da aber immerhin auch "einheimisch" sind und man nicht irgendein mit hier längst verbotenen Wirkstoffen belastetes Zeug aus Entwicklungsländern bekommt.

Für alle pflanzlichen Eiweißträger gilt: es ist nötig, die "fehlenden" tierischen Aminosäuren zuzufügen.
Industriell hergestellte Eiweißkonzentrate gibt es für alle Nutztierarten jeweils passend schon lange (essentielle Aminosäuren sind auch ab und zu in "Vitamin"-Mischungen drin), ohne daß bisher irgendjemand daran Anstoß genommen hat. Einziger Unterschied zu "echtem" tierischem Eiweiß: Aminosäuren kommen in der Natur als L-Form vor, künstlich hergestellt werden meist L und D-Form zu je 50%. Das hat bisher noch niemandem geschadet, und jeder mag selber entscheiden, was er davon hält. (ich persönlich neige zu "keine Experimente", was körperfremde Eiweisse angeht...siehe BSE, das ist auch "nur" ein Eiweiß, und die ganze Krankheit kommt "nur" davon, daß es falschrum "dreht".) Aber da der überwiegende Rest der Welt seit vielen Jahren wirklich gut damit lebt, will ich da auch kein "Maßstab" sein.

Falls sich das ganze jetzt ein bißchen unschön angehört hat, was die Eiweißversorgung unserer Viecher (und damit ja auch unsere) angeht: Dem ist so. Dem ist Gesetz. Dem wollte "Das Volk" so. Die Hühner haben nicht gewählt. Es ist aber auch kein Grund, nun nur noch Quark zu Füttern oder ähnliche Eskapaden über den Winter zu versuchen. Genau wie erwachsene Menschen können auch erwachsene Hühner eine gaaaaaanze Weile ohne nennenswerte Schäden rein pflanzliche Nahrung vertragen, die tierischen Teile sind vor allem während des (frühen)Wachstums (und dabei zur Ausbildung von Synapsen im Gehirn) nötig, und mit Auslauf findet sich ja dann doch immer noch der ein oder andere Wurm oder Käfer (mein Hahn zerrte letzhin eine fette Kröte durch die Gegend und ließ sich mächtig von seinen Damen bewundern).

Puh - das war lang. Falls jemand bis hierher durchgehalten hat bei Lesen: Es ist nicht anders, als bei menschlicher Ernährung auch, jeder sollte selber entscheiden, was er mag, kann und möchte, aber vielleicht ist es ja hilfreich, immer wieder ein bißchen Information zu sammeln.

Siehe auch
Kurs Hühnerernährung in 4 Teilen




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