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Euro-Tier

30/11/00
Katrin

Liebe Hühnerfreunde!

(...)
Tja, und dann war ich am Dienstag bei der EURO-Tier, eine Wahnsinnsmesse mit allem, was man sich auf dem Sektor Tierhaltung vorstellen kann. Ich hab mal ein paar Internetadressen aus den Katalogen rausgesucht für diejenigen, die schon immer mal wissen wollten, was sich die Industrie so unter Tiergerecht vorstellt...

Bei www.bigdutchman.de kann man unter "Innovationen"-"Geflügel" die neuen "ausgestalteten"Käfige sehen und auch Kunststoffroste mit integrierten "Sitzstangen" (Frechheit, 0,5cm dicke auf die Rosten geklebte Gummistreifen als Stangen zu bezeichnen, finde ich).
Bei Jansen (www.jpe.org ) gibts Volierensysteme, Nester und die praktischen Schnabelhütchen (da können die Hühner sich beim Picken die Nasenlöcher aufreißen, bis sie's lassen).
Alle Sorten von braunen Hybridhennen kann man bei www.hof-middendorf.de
bewundern und auch deren mögliche Leistungen.

Schlachtanlagen, Eiersortiermaschinen und alle Arten von Zubehör gabs natürlich auch zu sehen, für jedes Produkt mehrer Hersteller.

Inzwischen gibts sogar 2 Firmen, die die praktischen "Hähnchensauger" herstellen.
Für alle, die noch bemerken, daß ein Hähnchen auch ein Lebewesen ist und nicht nur ein Fleischlieferant, ein harter Schlag in die Magengrube!
Die Maschinen dienen zum Einfangen von fertigen Schlachthähnchen. Eine sieht aus wie ein Mähdrescher, vorn ist eine breite Platte auf die die Hähnchen beim Fahren durch den Stall mit Hilfe von rotierenden Gummibürsten raufgeschaufelt werden. Von dort gelangen sie auf ein schmales Transportband, dessen Ende über Transportcontainer-Kästen gehalten wird, die auf diese Weise mit den Hähnchen "gefüllt" werden. Bei der anderen sind die rotierenden Bürsten seitlich angeordnet und führen direkt auf das Band. Die Hähnchen werden so erfaßt, wie's kommt und kräftig durchgewirbelt, weglaufen tun sie merkwürdigerweise nicht vor der Maschine.
In den Containern gehts dann zum Schlachthof, alles voll technisiert. Wen kann man nun für sowas verantwortlich machen? Den Hersteller, der nur den vorhandenen Markt bedient? Den Mäster, der kaum noch gute Fangkolonnen findet (die teilweise auch noch mit den Tieren Fußball spielen, nur zum Spaß)? Die Menschen, die kaum Lust haben als Fänger zu arbeiten und nächtelang zigtausende Hähnchen pro Nacht einzupacken? Oder doch wieder den Verbraucher, der unbedingt möglichst billiges Hähnchenfleisch verlangt?

Bitte schreibt, was Ihr dazu denkt, vielleicht wäre ein Boykott konventioneller Hähnchenprodukte (Wienerwald, Chicken-Nuggets, TK-Hähnchen etc) angesagt?

Viele Grüße an Euch alle Katrin


01/12/00
Eckard

Hallo ihr Hühnerliebhaber!

Bigdutchman ist mir ein guter Begriff. Nicht nur, weil die aus Vechta kommen (40 km von hier). Vor einigen Jahren war ich im LKW-Fernverkehr tätig für die Spedition Paul Schokemöhle (der Springreiter). Ihm gehört auch Bigdutchman. Ich habe damals öfters Eiersortieranlagen zu den Hühnerhallen gefahren. Nachdem ich zum ersten mal so einen Stall betreten hatte, hatte ich Wochenlang keinen Appetit mehr auf Eier, obwohl ich aus dem Fernsehen wusste, wie es dort aussieht. Wahrscheinlich mit ein Grund, warum ich Hühner heute artgerecht halte.

Hähnchensauger:

Allein durch die Beschreibung von Katrin wird mir schlecht. Was sich Menschen aus Profitgier alles einfallen lassen ...

Woran das liegt? An dem Verbraucher. Es wird produziert, was der Verbraucher will. Will er billige Eier (10 Eier für 99 Pfennige bei Aldi, wo die wohl herkommen?), dann bekommt er billige Eier. Und solange es genug Menschen gibt, die diesen "Dreck" (ich will gar nicht wissen, was dort für Rückstände vom Futter drin sind) kaufen und essen, gibt es Menschen, die so etwas produzieren. Erst wenn der Verbraucher auch Wert auf Qualität legt, wird sich an dieser Situation etwas ändern. Ich sehe an dem Verhalten auf lange Sicht aber keine Änderung, es sei denn, so etwas in der Art wie BSE kommt auf uns Hühnerhalter zu. Zu den Verbrauchern gehören auch wir alle in der Liste. Das heißt für jeden von uns, der an dieser Situation etwas ändern will, sich sein Kaufverhalten zu überlegen. Eier werden wir wohl nicht kaufen müssen :-) aber wie sieht es mit den Eiern in den ganzen anderen Produkten aus, wie z. B. Nudeln, Fertigsuppen usw. ? Kaufen wir "empörten" denn dort auch bewusst ein? Der Herr Schockemöhle, er hat in seinen Ställen mehr Hühner als irgendjemand sonst in Europa, verkauft jeden Tag 3,2 Millionen Eier alleine an Birkel, diese finden wir dann in den Nudeln wieder. Er verkauft weitere 500000 Eier täglich an Pfanni, diese finden wir in den Fertigkartoffelpüree und in den Chips u. ä. wieder. In seinen Ställen vegetieren zur Zeit mehr als 8 Millionen Hennen. Ich könnte noch so eine ganze Weile weiter schreiben. Bei der Hähnchenmast sieht es ähnlich aus. Hier gibt es von den großen Firmen jedoch eine Ausnahme und das ist Wiesenhof. Es ist zwar für einen Hahn dort auch nicht so toll, jedoch halten die ihre Hähne bis zur Schlachtung einiger Maßen erträglich.
Ich will und werde niemanden angreifen wegen seines Kaufverhaltens, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen, was ich eigentlich mit dem Text oben sagen will, ist, das wir uns über solche Tierhaltungszustände empören, es durch unser Kaufverhalten aber unterstützen und wenn wir versuchen, bewusst auf solche Nahrungsmittel zu verzichten, erst merken, wo uns überall Hühnereier (oder Tierprodukte überhaupt) begegnen. Wir bemerken erst dann, wie schwierig einkaufen sein kann, da es nicht allzu oft Alternativen gibt. Ich spreche da aus Erfahrung. Aber es geht und das weiß ich auch aus Erfahrung.

Ich freue mich aber mit jeder Mail, die ich in dieser Liste lese, aufs neue, das es Menschen gibt, die ihre Hühner lieben und nicht quälen.

Siehe auch
Hühnerfabriken
Schlachthofbilder

 

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